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Welche Vögel bleiben im Winter in Deutschland?

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Zu den Vögeln, die du ganzjährig und damit auch im Winter in Deutschland sehen kannst, gehören Kohlmeise und Blaumeise sowie Haussperling, Kleiber und Buntspecht. Bei Amseln und Buchfinken bleibt ein Teil hier, während andere Tiere fortziehen. Dazu kommen Wintergäste wie der Bergfink aus dem Norden.

Ich sehe im Winter Vögel am Fenster und bin bei den Arten unsicher. Dass sie überhaupt noch da sind, wundert mich.

Eine Art kann das ganze Jahr hier vorkommen, während einzelne Tiere im Herbst fortziehen. Die Frage, welche Vögel bleiben, lässt sich deshalb nicht allein mit einer Artenliste beantworten.

Zehn Vögel, die du im Winter sehen kannst

Die Auswahl umfasst Vögel aus Gärten und Parks sowie aus Wäldern und der offenen Landschaft, ist aber keine vollständige Liste aller Wintervögel Deutschlands. Zum ersten Eingrenzen helfen die Merkmale in der Tabelle; gerade Weibchen sehen bei manchen Arten anders aus als die auffälligeren Männchen.

Vogel Im Winter in Deutschland Ein Hinweis zum Erkennen
Kohlmeise Ganzjährig anzutreffen Gelbe Unterseite mit schwarzem Längsstreifen, schwarzer Kopf mit weißen Wangen
Blaumeise Ganzjährig anzutreffen Blaue Kopfkappe, weiße Wangen und gelbe Brust
Haussperling Ganzjährig anzutreffen Kräftiger Schnabel; Männchen mit grauem Scheitel und schwarzer Kehle, Weibchen mattbraun
Kleiber Ganzjährig anzutreffen Blaugraue Oberseite, schwarzer Augenstreif; läuft auch kopfvoran am Stamm hinunter
Buntspecht Ganzjährig anzutreffen Schwarzweißes Gefieder; erwachsene Männchen mit rotem Nackenfleck
Amsel Ein Teil bleibt, nordische Vögel können zuziehen Männchen schwarz mit orangegelbem Schnabel, Weibchen dunkelbraun
Buchfink Ein Teil bleibt; Weibchen ziehen meist weiter als Männchen Weiße Flügelbinden; Männchen mit rotbrauner Brust und blaugrauer Kappe
Star Ein Teil überwintert hier, auch Zuzug aus Nord- und Osteuropa Kurzer Schwanz, im Winter helle Punkte im dunklen Gefieder
Bergfink Wintergast aus dem Norden Europas und Asiens Orange Brust und Schultern
Wacholderdrossel Ganzjährig anzutreffen, im Winter auch in Trupps Grauer Kopf, rotbrauner Rücken und kräftig gefleckte Unterseite

Grundlage sind die Artenporträts des LBV und seine Übersicht der häufigen Wintervögel. „Ganzjährig“ beschreibt hier das Vorkommen der Art; es verspricht weder, dass jeder einzelne Vogel an seinem Sommerplatz bleibt, noch dass du alle Arten vor deinem Fenster findest.

Was Standvögel von Teilziehern unterscheidet

Standvögel verbringen das Jahr im Brutgebiet oder dessen Umgebung. Auch sie können umherstreifen, etwa auf der Suche nach Nahrung.

Ein Standvogel sitzt deshalb nicht zwölf Monate auf demselben Baum.

Bei Teilziehern zieht ein Teil der Population fort, während andere Tiere bleiben: Manche Amseln verlassen ihr Brutgebiet, andere halten hier aus, und aus nördlichen Gebieten können weitere Amseln dazukommen. Ein schwarzer Vogel im Dezember beweist deshalb nicht, dass die Amsel aus deinem Sommergarten geblieben ist.

Beim Buchfink unterscheiden sich die Zugstrecken auch zwischen den Geschlechtern: Weil Weibchen meist weiter ziehen als Männchen, sind hier im Winter mehr Männchen zu beobachten. Eine pauschale Liste mit „Buchfink bleibt“ würde das unterschlagen.

Kurz- und Langstreckenzieher werden dagegen nach ihrem Zugweg unterschieden. Während Kurzstreckenzieher etwa Westeuropa oder den Mittelmeerraum erreichen, ziehen Langstreckenzieher auch in Gebiete südlich der Sahara. Die Begriffe beschreiben also, wie weit die Vögel ziehen; „Teilzieher“ sagt, dass nur ein Teil der Population fortzieht.

Für Bergfinken ist Deutschland das Winterquartier

Vogelzug führt nicht immer von Deutschland weg. Für Arten aus dem Norden liegt das Winterquartier hier.

Der Bergfink brütet im Norden Europas und Asiens und kommt im Winter nach Deutschland, wo er vor allem Bucheckern frisst. An Futterstellen nimmt er auch Sonnenblumenkerne. Du kannst ihn zusammen mit Buchfinken sehen, die hier geblieben sind.

Auch beim Star ist die Herkunft nicht am Aufenthaltsort abzulesen. Viele mitteleuropäische Stare ziehen fort. Unter den Staren, die hier überwintern, sind wiederum Vögel aus Skandinavien und Osteuropa. Ein Wintertrupp kann also Tiere enthalten, die bereits eine längere Reise hinter sich haben.

Warum können Meisen im Winter bleiben?

Meisen nehmen neben Insekten nun Samen und Früchte auf, Kleiber nutzen ebenfalls Baumsamen. Kleine Insekten und Spinnen können sich unter der Baumrinde oder zwischen Wurzeln verbergen. Der LBV beschreibt diese Nahrungsquellen in seinem Beitrag über insektenfressende Vögel im Winter. Schnee und Frost können Nahrung allerdings unzugänglich machen. Milde Winter ermöglichen es manchen Vögeln, kürzere Strecken zu ziehen oder hier zu überwintern. Daraus lässt sich nicht ableiten, dass alle Zugvögel irgendwann bleiben.

Im Dezember ist auch die Zeit zur Nahrungssuche knapp. Wie kurz der helle Tag je nach Ort ausfällt und wann er wieder wächst, zeigt der Beitrag Ab wann werden die Tage länger?.

Der Kuckuck zieht bis nach Afrika

Dass der Kuckuck ein Zugvogel ist, wusste ich nicht. Er gehört zu den Langstreckenziehern und verbringt den Winter in Afrika südlich der Sahara.

Mit Satellitensendern lässt sich dieser Weg verfolgen. Das britische Forschungsinstitut BTO untersucht im Cuckoo Tracking Project seit 2011 den Zug von Kuckucken. Zu ihren Aufenthaltsgebieten gehört der Regenwald im Kongobecken. Das sind nachverfolgte Reisen einzelner Vögel; eine einzige feste Route für alle Kuckucke gibt es daraus nicht abzuleiten.

Für den Kuckuck ist Deutschland kein reguläres Winterquartier.

Am Fenster beobachten, ohne jede Art schon zu kennen

Du musst einen Vogel nicht sofort benennen können. Schreib zunächst auf, was du tatsächlich erkennst: eine blaue Kopfkappe oder einen schwarzen Streifen auf gelber Brust. Ergänze das Datum und den Ort, an dem er saß. Ein Fragezeichen ist erlaubt.

Trenne dabei Beobachtung und Vermutung. „Buchfink, vermutlich Männchen“ sagt etwas anderes als „mein Buchfink ist geblieben“, denn für die zweite Aussage müsstest du das einzelne Tier wiedererkennen können.

Unser Orni Advent ist ein interaktiver, verlinkter PDF-Adventskalender für Notiz-Apps wie GoodNotes auf dem iPad, mit 24 Wintervögeln und einem „Zugvogel im Blick“ auf jeder Tagesseite. Für Sonnenzeiten und Entfernungen zu Winterquartieren wählst du einen Ort aus der angebotenen Regionenliste. Die Lineatur und die Beobachtungsfelder stellst du selbst ein; voreingestellt sind „Gesehen, Gehört, Wo“.